Nachlese

Im Jahr 1999 beschließt der Innsbrucker Gemeinderat ein neues Rathaus errichten zu lassen.
Eine private Betreibergesellschaft soll im Juli 2000 mit dem Bau der sogenannten Rathausgalerie
sowie mit einem 5 Sterne Congreßhotel beginnen. Für den Bau der beiden Gebäude müßten
47 Bäume, darunter über 100 Jahre alte, gefällt werden. Ein Park mitten in der Innbrucker
Innenstadt soll gefällt werden. Der Grund für die Fällung ist die Errichtung einer Tiefgarage.
Neben den Bäumen gilt der ehemalige Innsbrucker Friedhof, der sich unter dem Park
befindet als ein Grund gegen die Errichtung einer Tiefgarage. Eine Bürgerinitiative mit prominenter
Unterstützung u.a. mit den Malern Paul Flora und Kirschl möchte den Park erhalten. Es werden über
10.000 Unterschriften gesammelt und bei der Stadt Innsbruck abgegeben.

Am 27.Juni erscheint das zweiwöchentlich erscheinende Magazin TIP, indem die Bürgerinitiative
einen letzten Hilferuf vor dem geplanten Baubeginn 3.Juli deponiert, wobei die Bürgerinitiative
schon resigniert. In der Zwischenzeit hat der Innsbrucker Arzt Dr. Soier einen Baum am
Adolf-Pichler-Platz besetzt. Jeden Tag kommen neue Baumbesetzer hinzu. Die zu Beginn kleine
Zahl an Baumbesetzern und Parkbeschützer steigt von Tag zu Tag.

Sonntag 3.Juli  der letzte Tag mit freiem Parkzugang die Zahl der Menschen steigt und steigt,
es wird musiziert, Kinder spielen, ein DJ (DJ Smoke) begleitet die Parkbesetzer durch die Nacht.
Montag 4.Juli in den Morgenstunden wird der Platz von Polizei und Österreichischen Wachdienst,
eine private Sicherheitsfirma, abgeriegelt. Der Zugang in den Park ist nur mehr über Schlupflöcher
möglich. Ab heute ist der Park nicht mehr öffentlicher Platz, sondern in Besitz der privaten
Betreibergesellschaft. Aufgrund der günstigen Witterungsverhältnisse übernachteten von
Montag 3.Juli auf Dienstag 4.Juli über hundert Leute im Park.
Dienstag 4. Juli 5 Uhr früh in Begleitung von Exekutivbeamten betreten Bauarbeiter den Park.
Ein DJ (DJ L.@.) beschallt den Park und weckt die Anrainer sowie die Leute im Park auf. Innerhalb
Minuten schreiten die Bauarbeiter zur Tat. Es fallen die ersten Bäume doch nach und nach gelingt
es, die meisten Bäume zu besetzen. Nach ca. 1h verlassen die Bauarbeiter den Platz.
Dienstag 11 Uhr der Sicherheitsdirektor Innsbrucks Knapp informiert die Parkbesetzer über ihre
rechtliche Lage und räumt einen "Waffenstillstand" bis 19 Uhr ein. Gegen 19 Uhr erhalten die
Parkbesetzer die Mitteilung, daß der Platz bis Mittwoch 8 Uhr nicht geräumt wird. Diese Botschaft
wird ausgiebige gefeiert, in der Zwischenzeit befinden sich über 300 Personen im Park. Die
Zusammensetzung der Unterstützer könnte bunter nicht sein. Mütter mit ihren Kindern, alte
Menschen, Jugendliche - alle Altersschichten sind vertreten. Trotz der Zusage und dem
strömenden Regen übernachten ca. 50 Leute im Park.
Mittwoch 5. Juli 4 30 Uhr Im Morgengrauen(!) stürmen über 100 bewaffnete Polizisten des MEK
auf den Platz. Die Übermacht der Polizei läßt keinen Widerstand aufkommen, die Parkbesetzer
verlassen friedlich den Platz. Die von Bürgermeister Dr.Dr. Van Staa behauptete Umsichtigkeit
der Polizei können die Parkbesetzer nicht bestätigten (siehe dazu Bilder Claudia Polizei).
7 00 Uhr beginnen die Fällungsarbeiten, gegen 11 00 Uhr sind alle 47 Bäume gefällt. Wie die
Tiroler Tageszeitung am 6.Juli (siehe Pressespiegel) berichtet, wurde der Räumungsbefehl sowohl
von der privaten Betreibergesellschaft, als auch von der Stadt Innsbruck ausgesprochen.
Bürgermeister Van Staa hatte behauptet, ein Einlenken seinerseits würde einen Amtsmißbrauch
darstellen, die Frage der Räumung liege bei der Betreibergesellschaft. Aufgrund dessen nahmen
der Künstler Kirschl und ein Mann von den Naturfreunden Verhandlungen mit Dr. Rubatscher von
der Betreibergesellschaft auf. Dieser sicherte kein Eingreifen bis Mittwoch 8 Uhr.



Innsbruck, August 2000
DJ L.@.

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Datei: nachlese.html zu finden auf http://baumdotcom.redefreiheit.net/
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